Spieler nimmt Referee in Schwitzkasten


Spieler nimmt Referee in Schwitzkasten

Eishockey: Trostberger Weberstetter rastet im Heimspiel gegen Waldkirchen (4:7) aus

Trostberg. Frustrierender hätte der Sonntagabend für die Trostberg Chiefs nicht laufen können: Sie verloren nicht nur das Spiel, sondern auch ihren offensivstärksten Verteidiger. Bei der 4:7 (1:2, 1:2, 2:3)-Niederlage gegen den ESV Waldkirchen in der Abstiegsrunde der Eishockey-Landesliga brannten Stefan Weber-stetter die Sicherungen durch. Der 30-Jährige – als Heißsporn bekannt, aber in dieser Saison bislang sehr diszipliniert unterwegs – erlaubte sich in der zweiten Drittelpause eine Tätlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter und kassierte eine Matchstrafe.

Zu diesem Zeitpunkt war Weberstetter wegen eines Kniechecks bereits mit einer Fünf-plus-Spieldauerstrafe (26.) zum Duschen geschickt worden. Doch anstatt sich nach dieser sehr harten und umstrittenen Entscheidung in den Katakomben zu beruhigen, wartete er am Treppenabgang zu den Kabinen auf Schiedsrichter Maximilian Tschichoflos, wurde handgreiflich und schubste den Unparteiischen. In der offiziellen Meldung des Schiedsrichters heißt es wortwörtlich: „Auf dem Weg zur Kabine passte der Spieler die Schiedsrichter ab und nahm einen von ihnen in den Schwitzkasten.“ Weberstetter zog den Griff sogar noch enger und warf den Referee zu Boden. Eine Entgleisung, die die Schiedsrichter mit einer Matchstrafe ahndeten und die für den Übeltäter eine lange Sperre zur Folge haben wird.

Seiner Mannschaft erwies Stefan Weberstetter damit einen Bärendienst. Denn seine beiden Fünfminutenstrafen nutzten die Gäste zu insgesamt drei Treffern. Alles in allem erzielten die Gäste fünf Überzahltore.

Auch die Chiefs zeigten sich diesmal einigermaßen durchschlagskräftig in numerischer Überlegenheit: alle vier Tore der Hausherren fielen im Powerplay.

Doch hätte der TSV vor allem im Schlussdrittel noch mehr Kapital aus den vielen Zweiminutenstrafen des ESV Waldkirchen schlagen müssen. Da hatte das Team von Trainer Petr Zachar aber schon etwas die spielerische Linie und den Glauben an eine Wende verloren. Auch eine Folge der vielen Diskussionen rund um den Weberstetter-Eklat. So pfiffen Tschichoflos/Loseley das Schlussdrittel mit rund zehnminütiger Verspätung an, weil sie erst noch regeltechnische Rücksprache mit dem Eissportverband halten mussten. Nachdem sich der Übergriff auf den Schiedsrichter außerhalb des Spielgeschehens ereignet hatte, stellte sich die Frage, ob Weber-stetters persönliche Bestrafung auch auf die Uhr kommt, sprich eine weitere fünfminütige Trostberger Unterzahl zur Folge hat.

Die Antwort darauf fiel zu Ungunsten des TSV aus, und die nicht weniger als sechs tschechischen Legionäre des ESV Waldkirchen hatten wieder genug Platz auf dem Eis, um ihre technischen Fähigkeiten auszuspielen. Allen voran Vladimir Skoda, der insgesamt vier Mal einnetzte – seine Saisontore 33 bis 36. Sämtliche sieben Tore der Crocodiles, dazu acht der zehn Vorlagenpunkte gingen auf das Konto des Ausländer-Sextetts, das dem TSV Trostberg in Sachen Chancenverwertung eine Lehrstunde erteilte.

Von den Spielanteilen her waren die Chiefs mindestens ebenbürtig, doch vor dem Kasten des starken ESV-Keepers Tobias Lienig versagten ihnen immer wieder die Nerven.

So lief man ständig einem Rückstand hinterher. Die beste Möglichkeit zum Ausgleich hatte beim Stand von 1:2 Stefan Weberstetter, doch sein Schuss aus spitzem Winkel landete in der 26. Minute an der Latte. Und das Unheil nahm seinen Lauf. Wenige Sekunden später ließ der TSV-Verteidiger gegen ESV-Stürmer Schreyer das Bein stehen. Eine klares Foul, das die Schiedsrichter zum Unmut der 330 Zuschauer als Kniecheck auslegten. Fünf plus Spieldauer lautete die drakonische Strafe. Weberstetter stürmte wutentbrannt in die Kabine. Dass er sie gut eine Viertelstunde später für seinen schweren Ausraster wieder verließ.

Den Abstiegskampf, der am kommenden Freitag und Sonntag mit den Spielen in Freising und gegen Selb in eine entscheidende Phase geht, bestreitet der TSV nun ohne seinen Spielmacher und drittbesten Scorer.

Wie die Sperre ausfällt, das hat nun der Verband zu entscheiden, ebenso wie die Wertung des am Freitag ausgefallenen Heimspiels gegen Bayreuth.− red

STATISTIKTrostberg Chiefs – ESV Waldkirchen 4:7 (1:2, 1:2, 2:3) / Tore: 0:1 Jan Bojer (10.); 0:2 David Vokaty (14.); 1:2 Mamontow (18.); 1:3, 1:4 Vladimir Skoda (30., 36.); 2:4 Wayne Grapentine (39.); 2:5, 2:6 Skoda (42., 44.); 3:6, 4:6 Roßmanith (45., 54.); 4:7 Robert Vavroch (58.). Strafminuten: TSV 16 plus 10 für Roßmanith plus 2 mal 25 für Weberstetter (Spieldauer wegen Kniecheck und Matchstrafe wegen Angriff auf Schiedsrichter), ESV 26 plus 10 für Schreyer; Zuschauer: 330.

(Quelle) PNP Plus